Die Sage von der steinernen Gansk-Gans

In Schöppner Alexander: Sagenbuch der Bayerischen Lande aus dem Munde des Volkes, der Chronik und der Dichter Bd. 3, München 1853 findet man die Sage der steinernen Gans abgedruckt, die wie folgt lautet.

 

Die Gans auf dem Schlachtfelde von Gammelsdorf

 

Von Siegesmalen, Gedächtnissteinen, Sagen oder Liedern findet sich in Gammelsdorf, Isareck oder Moosburg nichts mehr. Noch vor drei Jahrzehnten soll aber eine Tafel in der Kirche das Gedächtnis der Schlacht und der Mitstreiter erhalten haben.

Seltsam ist die Überlieferung:

Auf dem Streitfelde sei durch lange, lange Jahre unbeachtet eine steinerne Gans gelegen und von den Landleuten, als beim Pflügen hinderlich, bald hierhin, bald dorthin gewälzt worden. Endlich sei ein fremder Mann weit hergekommen, dem im Traum verkündet, er werde auf diesem Feld des Unglücks für sein Geschlecht einen Schatz finden, der ihn plötzlich wieder reich machen werde. Der habe die lang verachtete Gans freudig gefunden und nach einem ihm bekannten geheimen Handgriff öffnen können. Sie sei ganz mit altem Geld angefüllt gewesen.

 

Heute existieren 2 verschiedene Varianten der Sage, allerdings ist nicht mehr festzustellen, auf welche Art diese überliefert wurden.

 

Die steinerne Gans

 

Auf dem Schlachtfeld von Gammelsdorf lag lange Zeit eine steinerne Gans, die niemand wert achtete und mit der niemand etwas anfangen mochte. Weil sie beim Pflügen hinderlich war, wälzte sie ein Bauer dem anderen auf den Acker und so wanderte die steinerne Gans unbegehrt über das ganze Streitfeld.

Da kam eines Tages ein fremder Mann gegangen, suchte die Gans und war hoch erfreut, als er sie fand.

Er war durch unverschuldetes Unglück in arge Not geraten und wusste sich keinen Rat. Da träumte ihm, dass auf dem Streitfeld Ludwigs des Bayern und Friedrichs von Österreich bei Gammelsdorf eine steinerne Gans liege, die niemand zur Freude, wohl aber allen Leuten seit langem zum Ärger sei. Die Gans könne ihm helfen und seine Familie aus aller Not erretten, denn sie enthalte einen großen Schatz.

Er sah im Traum auch, wie die Gans geöffnet werden könnte und machte sich am Morgen ohne Säumen auf den Weg, um die seltsame Gans zu suchen.

Das Herz schlug dem Manne schneller, als er des steinernen Vogels ansichtig wurde. Er kannte ihn gleich, denn genau so hatte er im Traum ausgesehen. Mit zitternder Hand suchte er die Stelle, wo sich die gans öffnen ließ, und es gelang ihm ohne Mühe. Da war sein schönster Traum ganz erfüllt. Aus dem geöffneten Steinbilde leuchtete ihm ein großer Schatz von wertvollen Münzen entgegen. Die nahm der hochbeglückte Mann zu sich und trug sie heim. Nun hatte alle Not ein Ende.

 

Die zweite Variante lautet folgendermaßen:

 

Bei der Auseinandersetzung um die deutsche Königswahl zog Friedrich der Schöne mit seinem österreichischen Heer, in dem sich auch ein starkes Kontingent ungarischer Reiter befand, raubend und plündernd gegen Herzog Ludwig von Oberbayern. Die erbeuteten Schätze verbargen die Ungarn in einer steinernen Gans, die sie in ihrem Heereszug mitführten.

Als sich nun die Schlacht bei Gammelsdorf 1313 für die Österreicher und Ungarn zur Niederlage wendete, da schaffte im Kampfgetümmel ein ungarischer Adeliger mit seinen Soldaten die steinerne Gans beiseite und versteckte sie auf dem Schlachtfeld.

Als einziger seiner Kampfgefährten überlebte er das Gemetzel und konnte erst nach langen Jahren der Gefangenschaft zurückkehren. Er fand die steinerne Gans in ihrem Versteck, zertrümmerte sie und zog mit den Schätzen in seine Heimat zurück.